Heute möchte ich einmal mit einem etwas komplexeren Thema um die Ecke kommen, das mir persönlich aber sehr am Herzen liegt. Es geht um den Konsum… nicht den von Zigaretten oder Alkohol sondern ums kaufen.
Wir alle, und ich bin da keine Ausnahme, konsumieren mittlerweile jede Menge. Die gekauften Sachen reichen dabei von “Notwendig” bis hin zu “völliger Schwachsinn”. Das Problem bei der ganzen Sache ist, das langsam immer mehr das unnötige und der Schwachsinn überwiegt.

Wir leben in einem Zeitalter, indem es möglich ist, sofern man das nötige Kleingeld hat, so ziemlich alles jederzeit zu bekommen. Sei es nun ein Handy, der neue Flachbildfernseher oder ein paar Möbel. Alles ist meist nur einen Mausklick oder bestenfalls ein paar Minuten Fahrzeit entfernt. So praktisch dies auch sein mag, es verleitet uns dazu jede menge unnötiger Anschaffungen zu tätigen.

Wo liegt das Problem beim Konsum?

Das ist die Frage die sich sicherlich viele gerade beim lesen gestellt haben. Solange Geld da ist, ist es ja auch kein Problem welches aus zu geben. Der ein oder andere erwartet vielleicht nun auch irgendwelches “Hippie geschwätz” von wegen Kapitalismus ist Böse und rettet die Wale. Darum geht es mir hier aber nicht! Erstens bin ich kein Hippie und zweitens halte ich den Kapitalismus nicht für etwas grundlegend schlechtes. Es sind vielmehr wir, die Menschen die hier ein Problem entstehen lassen.
Was wir gerne außer acht lassen, ist, das alles was wir uns kaufen auch Platz und Zeit benötigt. Hierbei denke ich weniger an den Platz in unserem Haus, sondern eher an den in unserem Kopf. Alles was wir besitzen besitzt zu einem gewissen Teil auch uns. Selbst Dinge die eigentlich Spaß machen und Positiv sind können uns Probleme machen und belegen ihren Platz.
Der ein oder andere kennt sicher das Gefühl das man bekommt, wenn man an einem freien Tag einfach mal nur so da liegt und in der Sonne döst oder auf der Couch entspannt. Sehr schnell denkt man an all die vielen Dinge man jetzt eigentlich viel besser tun könnte als Sinnlos herum zu liegen. Dabei sollte man doch denken, dass es an einem freien Tag nichts besseres gibt als die Seele Baumeln zu lassen.

Alles was wir besitzen besitzt auch uns!

Das ist hier die Kernaussage. Auch wenn z.b. eine Mitgliedschaft in einem Club, ein neues Fahrrad oder das neue Computerspiel uns Spaß machen, verlangen sie uns auch etwas ab. Schnell bekommt man das Gefühl, dass die Mitgliedschaft die wir teuer bezahlen sich nur lohnt wenn wir sie auch Regelmässig nutzen. Das neue Fahrrad lohnt sich nur wenn wir damit fahren und das Computerspiel wäre ausgeworfenen Geld wenn wir nicht auch damit spielen würden. So entsteht ein Gefühl der Pflicht, denn wenn wir die vielen teuren Sachen nicht nutzen, wie rechtfertigen wir dann ihren kauf vor uns selber? Das Geld musste hart erarbeitet werden und soll natürlich nicht umsonst ausgegeben werden. Also stehen wir aus unserem gemütlichen Sessel auf, gehen in den Club, fahren mit dem Fahrrad oder spielen am PC. Das alles tun wir, obwohl wir vielleicht einfach gerne noch etwas liegen geblieben wären.

Nichts ist wertvoller als unsere Freizeit!

Egal wie man es dreht und wendet, Zeit ist das wertvollste Gut in unser aller Leben. Auch wenn wir Geld zum leben brauchen, können wir es verdienen, alte Dinge verkaufen oder, wenn auch unwahrscheinlich, Gewinnen. Geld ist vermehrbar und letztenendes nichts weiter als buntes Papier, bei dem wir uns darauf verlassen das wir etwas dafür bekommen. Auch wenn es extrem unwahrscheinlich erscheint ist dies keine Konstante! Geld kann seinen Wert verlieren, steuern können steigen und wir könne es durch ungeschicktes Haushalten selbst verlieren.

Zeit verhält sich hierzu etwas anders. Egal wie viel Geld wir haben, wir können keine Zeit kaufen. Irgendwann kommt der Tag an dem sie schlicht und einfach aufgebraucht ist. Dabei sollte man sich mal kritisch hinterfragen: Wie möchte ich bis dahin mein Leben gelebt haben. Werde ich später auf meinem Totenbett denken “Hätte ich doch nur diese Überstunden gemacht und das neue Handy gekauft” oder eher “Hätte ich mich doch mehr entspannt und Zeit mit den Menschen die mir wichtig sind verbracht”. Ich denke wir alle kennen hier die Antwort und sollten dies auch auf die Zeit die wir haben anwenden. Niemand weiss wie viel Zeit uns bleibt, aber wenn wir jeden Tag genieße anstatt uns mit unnötigen Dingen verrückt zu machen, ist es eigentlich auch egal.

Wer einmal etwas in sich geht, weiss das natürlich dass das was ich hier schreibe keine neuen Bahnbrechenden Erkenntnisse sind. Trotzdem scheinen wir es aber zu ignorieren, was eine andere Frage aufwirft.

Warum Konsumieren wir in diesem Maße?

Ich will hier niemandem untersagen sich ab und etwas schönes zu gönnen, aber wir alle sind uns durchaus bewusst, das wir auch sehr viel unnötiges anschaffen. Dabei denkt man sich manchmal “Warum tue ich das eigentlich?”. Die Antwort darauf ist relativ einfach: Absolut alles ist darauf ausgelegt das wir uns so verhalten.

Wo wir hinschauen erwartet uns Werbung! Ob wir nun Fernsehen, an den Briefkasten gehen, im Radio oder auf Spotify Musik hören oder im Internet surfen. Alles ist zugekleistert mit Werbung. In den Städten hängen Plakate, im Baumarkt laufen auf kleinen Fernsehern Werbesendungen und auch in den sozialen Netzwerken werden wir mit immer mehr auf uns abgestimmter Werbung bombardiert. Zusätzlich zu dieser Werbung kommt aber auch noch ein andere Faktor der gerade durch das Internet entsteht: Wir sehen ständig was andere haben. Sei es nun auf Blogs, Pinterest oder Facebook, ja sogar hier auf meiner noch sehr kleinen Seite. Überall wird man Nonstop damit konfrontiert, was es alles für schönen Dinge gibt und wie viel Spaß sie anscheinend machen. Das weckt in uns oft das Gefühl, dass wir Dinge unbedingt brauchen, die wir bis vor 5 Minuten nicht einmal kannten. Das Gras wirkt auf der anderen Seite bekanntlich immer grüner und deshalb wollen wir diese tollen Sachen auch haben.

Dabei stoßen wir auch sofort auf den nächsten Punkt der unseren Konsum fördert: Das Onlineshopping

Hier ist alles was wir möchten nur einen Mausklick entfernt. Sei es nun das neue Handy, eine schöne Pfeife oder ein Besteckset. Egal was, wir können es haben ohne das Haus zu verlassen. Und während wir so vor uns hin shoppen, werden uns direkt beim kaufen schon wieder neue Produkte angepriesen die wir zu unserer Bestellung brauchen könnten.
lustigerweise ist selbst hier noch nicht Schluss, denn bei den meisten Sachen erwartet uns auch beim auspacken zuhause erneute Werbung.

Somit merkt man schnell, das ein perfektes System besteht, das unseren Konsum vereinfacht und forciert.

Wo liegt das Problem, wenn ich doch das Geld habe?

Das werden nun sicherlich einige von euch denken die bis hier her gekommen sind. Die Sache mit dem “Platz im Kopf” glauben viele Leute sowieso erst dann wenn sie es schon stark übertrieben haben, aber das Problem mit dem Geld ist durchaus greifbarer. Egal was wir uns leisten können, das Geld muss verdient werden. Das alles ist kein Problem, solange wir Spaß beim Arbeiten haben. Aber sind wir mal ehrlich, wer möchte nicht ab und an etwas weniger arbeiten und dafür mehr Zeit für die Familie oder sich selber haben. Hier hängt es aber sehr an der Einstellung der Menschen, vor allem bei uns in Deutschland.

Ein 8 Stunden Tag wird als völlig selbstverständlich angesehen und nicht im geringsten hinterfragt und auch Überstunden werden meist ohne Widerworte hingenommen, schließlich gibt´s ja Geld. Wer weniger Arbeiten möchte wird schnell als faul und verrückte abgestempelt, aber was spricht denn eigentlich dagegen?
Wenn wir nicht ständig irgendwelchen Müll kaufen, könnten wir es uns auch problemlos leisten etwas weniger zu Arbeiten. Niemand sagt ja das man sich gleich zuhause hinlegen muss und überhauptnichts mehr tun. Ganz im Gegenteil, man kann die gewonnen Zeit nutzen um z.b. im Garten zu arbeiten oder einfach mal Do it yourself mäsig selbst etwas zu basteln. Wer das schon einmal gemacht hat merkt sehr schnell das man hier einen ganz anderen Bezug zur Arbeit bekommt. Man hat keinen Druck und macht ganz ohne Umwege über Geld etwas schönes für sich selbst. Zusätzlich weiss man auch die Früchte dieser Arbeit viel mehr zu schätzen.

Wie kann man den Kreislauf durchbrechen?

Das ist am Anfang garnicht so leicht, denn wir sind es gewohnt uns ständig Dinge zu kaufen. Wenn man darauf verzichtet stellt sich gerne mal ein Gefühl der inneren Leere ein, das man dann schnell wieder mit der nächsten Anschaffung stopfen möchte. Schon hängt man wieder im Teufelskreis aus schuften und Belohnung. Stattdessen sollte man eher versuchen sich einfach mal eine Zeit ganz zurück zu halten und nur das nötigste zu kaufen. Dann merkt man schnell das vieles eigentlich ziemlich überschätzt wird und es fällt leichter, langfristig weniger unnötiges an zu schaffen.

Wer dann dauerhaft Geld spart, kann auch drüber nachdenken seine Arbeitszeit zu reduzieren und sich mehr den wichtigen Dingen zu widmen. Genießt das Leben, eure Freizeit und verbringt mal etwas Zeit draußen.

Selbstverständlich ist es auch kein Problem sich ab und an was gönnen. Dabei sollte man darauf achten sich Dinge zu kaufen die einem wirklich Glücklich machen und vor allem das Leben nicht noch komplizierter gestalten. Wenn ihr so etwas gefunden habt, solltet ihr auch nicht knausern und billig Ware kaufen. Lieber kauft man weniger und dafür etwas qualitativ besseres. Davon hat man langfristig deutlich mehr und wenn man nicht ständig billigen Schrott kauft kann man sich auch ab und an etwas leisten das wirklich schön ist. Davon hat man schließlich viel mehr.

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